TEXTE SONJA EDLE VON HOESSLE
Die beiden international erfolgreichen Künstler*innen Herbert Mehler und Sonja Edle von Hoeßle hatten den Erbachshof 2016 erworben und mit viel Liebe zum Detail zum „Erbachshof art project“ umgestaltet. Schon die mächtigen und doch filigran gestalteten Skulpturen aus Cortenstahl im Park des Anwesens lassen die Besucher*innen staunen. Das einstige Feudalhotel, in dem sogar ein Bundespräsident übernachtet hatte, wurde wirtschaftlich genutzt und dient nun eben diesem „Erbachshof art project“, einem der 11 „entdeckenswerten Orte“ im Rahmen der Landesgartenschau 2018.
Im Skulpturenpark des Anwesens befinden sich die Arbeiten der beiden Künstler*innen. Herbert Mehler schafft aus Cortenstahl archaische Urformen mit bis zu acht Metern Höhe und einer modularen Lamellenstruktur, die sich mal konvex und dann konkav perfekt in die Natur eingliedern und dem Thema Stahlskulptur neuen Wind einhauchen. Sein erarbeitetes Formenrepertoire nutzt Herbert Mehler, um diese in verschiedenen Materialien und Größen umzusetzen. Teils wirken die Arbeiten wie vergrößerte botanische Formen und so lassen auch die Titel wie „Asparagus“, „Zucchina grande“ oder „Stella della zucca“ einen an Gemüse denken. Eben nur in vereinfachter, konzentrierter und kunstvoller Form.
Sonja Edle von Hoeßle lebt und arbeitet an seiner Seite zusammen im Erbachshof. Ihre Skulpturen sind mehr von linearen Formen geprägt und spielen mit der Pespektive der Betrachter*innen. Diese Endlosschleifen aus Stahl sind nicht nur dynamisch und formulieren Bewegungslinien im Raum, auch die Betrachter*innen müssen sich bewegen, da die Ausrichtung der Arbeiten flexibel ist und je nach Standort verschiedenste Erscheinungsformen annehmen. Es zeigen sich ruhigere und dynamischere Abschnitte, Motivwiederholungen und -variationen. Die Schleifen bewegen sich immer an der Grenze des Gleichgewichtes entlang, stehen auf den Kreisbögen und übermitteln einem so das Gefühl, als würden die Arbeiten nahezu schweben. Gleichzeitig erleben wir die Spannung zwischen dem schweren, schwer verformbaren Stahl und der heiteren, spielerischen Leichtigkeit der Skulptur.
Das besondere am Skulpturenpark ist das Zusammenspiel der vielen verschiedenförmigen und doch verwandten Skulpturen und der Natur, sie ergänzen sich, spiegeln sich wider oder erschaffen eine kleine ganz eigenständige Welt. (M.Umlauf, GCB Kunstmagazin November 2020)