Baumgartner, Franz

WERKBESCHREIBUNG FRANZ BAUMGARTNER

Der Maler Franz Baumgartner reflektiert seine Naturerfahrung in großformatigen Ölgemälden,die bei den Sternenbildern trotz ihrer Größe den unendlichen Raum jenseits der Erdatmosphäre nur ansatzweise zeigen können. Das Motiv des Sternenhimmels, dem er sich seit einer Reise nach Marokko und einem mehrwöchigen Aufenthalt in der Sahara konzentriert widmet, spricht von wissenschaftlicher Neugier ebenso wie von innerer Betroffenheit. Weg vom Irdischen, hin zu einer transzendenten Erfahrung, die er sich beim Malen wiederholt. Im Atelier werden professionelle Sternenhimmel-Aufnahmen mit den eigenen Erinnerungen verknüpft und die Herausforderung angegangen, seine Empfindungen in der Dunkelheit malerisch in die Tiefe des Bildraumes umzusetzen. Baumgartner umrundet die weißlichen Sternenpunkte mit hellen Höfen, so dass die Gestirne auf der Leinwand im dunklen Firmament glitzernd aufscheinen. Dieses Hineinmalen des Lichts in die Dunkelheit steht der malerischen Vorgehensweise beim Einsatz von Ölfarben entgegen, wo traditionell von Hell nach Dunkel gemalt wird. Franz Baumgartner ist gerade dafür bekannt: für besondere Lichtstimmungen wie den GegenlichtÜberstrahlungen (wie hier in „codice a barre“, 4.2013) und auffallenden atmosphärischen Erscheinungen wie Lichtreflexionen auf Wasserflächen („St. Peter“, 8.2017) oder wie den vom gleißenden Sonnenlicht hinterfangenen Wolkenformationen oder im Licht aufleuchtenden Baumreihen („Birkenwald“, 9.2019). Als Maler der Landschaft stehen ihm dazu viele Naturerscheinungen zur Verfügung. Er schätzt dabei auch jene diffusen Lichterscheinungen, die das Motiv in eine überirdische Stimmung versetzen. Die Gegenstände und Dinge im realen Raum werden dabei in ihrer Form aufgelöst, regelrecht
abstrahiert, so dass magische Bildwelten entstehen („well, well“, 9.2013). Franz Baumgartner vermittelt mit seinen Werken eine Weltanschauung, die hinter jeder Erscheinung etwas Besonderes, etwas Einmaliges entdecken kann. Er muss sie nur ins richtige Licht setzen. Die „Faszination des Augenblicks“, wie ja auch der übergreifendeAusstellungstitel heißt, liegt für ihn in diesem besonderen Moment des Nicht-Greifbaren, das uns zwischen den Fingern entgleitet, wenn wir nicht versuchen, es festzuhalten. Seine Sternenbilder sind zugleich Sehnsuchtsbilder, die uns in die Schönheiten der Natur und ihren Geheimnissen und darüber hinaus auch in die unendlichen Weiten des
Weltalls entführen, in eine ganz andere Welt voller Rätsel. Baumgartner, der zunächst eine Ausbildung im Gartenbau absolvierte, studierte Kunst an der TH (früher FH) in Köln bei Professor Karl Marx, anschließend an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Professor Dieter Krieg. Noch im Abschlussjahr seines Studiums erlangte er den Preis der Darmstädter Sezession, er war Stipendiat der Villa Romana in Florenz, errang zahlreiche Arbeitsstipendien im In- und Ausland und ist Preisträger des Premio Michetti in Francavilla al Mare, der Stiftung Michetti, einem der angesehensten Preise in Italien. Franz Baumgartner lebt und arbeitet in Köln.