DEFINITION ROLAND DÖRFLER
Das Werk von Roland Dörfler lässt sich als eine existenzielle Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur definieren, die sich im Spannungsfeld zwischen Figuration und Abstraktion bewegt. Das Hauptthema ist der Mensch in seiner Verletzlichkeit und Isolation. Dörfler stellt oft geschundene oder leidende Körper dar (Torsi, „fallende Figuren“), die häufig in geometrische Räume oder Balkenstrukturen „eingespannt“ wirken. Sein Werk wird stilistische oft dem Neoexpressionismus zugeordnet. Es zeichnet sich durch eine Reduktion der Form aus, bei der die menschliche Gestalt zwar erkennbar bleibt, aber zunehmend abstrahiert wird, um allgemeingültige menschliche Erfahrungen auszudrücken. Die existenzielle tiefgreifenden Darstellungen gelten als Bilder des menschlichen Schicksals. Die Figuren agieren oft in einem undefinierten Raum, was ihre Einsamkeit oder Bedrängnis betont. Roland Dörfler war ein bedeutender Zeichner und Radierer. Seine Linienführung ist kraftvoll und zugleich fragil. Das Gesamtwerk von Roland Dörfler wird heute als einer der wichtigsten Beiträge zur figürlichen Kunst der deutschen Nachkriegsmoderne gewertet. Philosophisch betrachtet lässt sich das Werk von Roland Dörfler als eine Phänomenologie der menschlichen Existenz begreifen. Es ist eine Kunst, die nicht das äußere Abbild, sondern das „In-der-Welt-sein“ (im Sinne Martin Heideggers) thematisiert. Dörflers Figuren sind keine autonomen Helden, sondern „geworfene“ Wesen. In der Tradition von Jean-Paul Sartre oder Albert Camus visualisiert er die fundamentale Verletzlichkeit und Isolation des Individuums. Die teils fragmentierten Körper stehen für die Unabgeschlossenheit und das „Stückwerk“ menschlicher Existenz – der Mensch ist bei Dörfler immer ein Suchender oder Leidender, niemals eine statische Einheit. Ein wiederkehrendes Motiv ist das Einspannen der Figur in geometrische Strukturen wie Balken, Würfel oder enge Linienfelder. Dies deutet auf die Begrenztheit der Freiheit hin. Das Spannungsverhältnis zwischen der weichen, organischen Figur und der harten, mathematischen Architektur spiegelt den Konflikt zwischen dem Individuum und den gesellschaftlichen oder metaphysischen Zwängen wider. Seine „fallenden Figuren“ sind eine Metapher für den Verlust von Halt und Gewissheit. In einer Welt, die ihre transzendenten Sicherheiten verloren hat, bleibt der Mensch im freien Fall – ein Zustand, der sowohl Angst als auch eine radikale Form der Offenheit symbolisiert. Das Fallen ist hier kein bloßes Unglück, sondern ein ontologischer Grundzustand. Roland Dörfler macht die Conditio Humana – die Bedingung des Menschseins – in ihrer ganzen Schwere, Einsamkeit, aber auch in ihrer unantastbaren Würde sichtbar.